Jury kürt Siegerentwurf des Wettbewerbsverfahrens BOMA+
Gemeinsame Medienmitteilung der Stadt Braunschweig und der Volksbank BRAWO
Jury kürt Siegerentwurf des Wettbewerbsverfahrens BOMA+
Der Sieger des kooperativen Wettbewerbsverfahren BOMA+ steht fest. Die Jury, die sechs Arbeiten von internationalen und regionalen Planungsteams zu beurteilen hatte, kam nach intensiven Beratungen zu einem einstimmigen Votum: Der erste Preis für den besten Entwurf geht an das Team des Aachener Architekturbüros kadawittfeldarchitektur mit RABE LANDSCHAFTEN Landschaftsarchitektur. Damit erhält die zukünftige städtebauliche und hochbauliche Entwicklung für den Bereich Bohlweg, Schlossplatz und ehemaliges Galeria-Horten-Gebäude eine konkrete Perspektive.
"Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, im Konsens einen zukunftsgerichteten Entwurf als Sieger zu ermitteln", kommentiert Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum. "Von dem prämierten Entwurf wird das gesamte Umfeld profitieren, das wird ebenso aufgewertet. Ich bin überzeugt, dass die gute Zusammenarbeit der Partner Volksbank BRAWO und Stadt Braunschweig im Wettbewerb in eine gute bauliche Umsetzung münden wird. Für die Braunschweiger Innenstadtentwicklung machen wir mit diesem nachhaltigen, städtebaulich wie architektonisch und nicht zuletzt verkehrlich überzeugenden Entwurf einen großer Schritt nach vorn. Ich danke der Volksbank als Eigentümerin für die gute Zusammenarbeit und den engagierten Teams für ihre spannenden Impulse."
Carsten Ueberschär, Vorstandsmitglied der Volksbank BRAWO, ergänzt: "Der ausgewählte Entwurf stellt eine vielversprechende Ausgangsbasis für die kommenden Überlegungen im Umgang mit der Horten Immobilie dar. Im weiteren Verlauf werden wir gemeinsam mit den Beteiligten sorgfältig prüfen, wie eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung der Braunschweiger Innenstadt bestmöglich umgesetzt werden kann. Dieser Wettbewerb hat sehr viel Engagement und Kreativität gezeigt. Dafür möchte ich mich bei allen beteiligten Planungsgesellschaften bedanken. Mein besonderer Dank gilt der Stadt Braunschweig, dem Büro HJP Plan+ und allen Projektbeteiligten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die gemeinsame Auslobung dieses wichtigen Projekts."
Das mit dem ersten Preis ausgezeichnete Team schlägt als zentrale Idee vor, die historische Ost-West-Wegeverbindung Damm-Langedammstraße wiederherzustellen und so einen neuen Platzraum, den "Grünen Karrenführerhof", als Bindeglied zwischen Neubebauung und Magniviertel zu schaffen. Damit wird das Magniviertel besser an die übrige Innenstadt mit der Fußgängerzone angebunden und die bestehende Barriere durch den Galeria-Horten-Komplex aufgehoben.
Dies gelingt durch eine Neugliederung der Baumasse in zwei Baukörper und eine differenzierte Gestaltung der Fassaden, was zugleich einen vollständig neuen, zeitgemäßen architektonischen Auftritt in der Mitte der Stadt bedeutet. Der Entwurf besticht im Urteil der Jury zudem durch seinen konzeptionellen Ansatz, annähernd die Hälfte des vorhandenen Bauvolumens zu erhalten und damit ressourcenschonend vorzugehen.
Ein zweiter Preis ging an das Team STAUTH Architekten aus Braunschweig mit GTL Landschaftsarchitektur. Von diesem Team werden drei Baukörper vorgeschlagen; auch hier ist die historische Wegeverbindung Damm-Langedammstraße zentraler Entwurfsbestandteil um die sich die neuen Gebäude gruppieren. Ein wichtiger Entwurfsbestandteil ist hier die modern und durchlässig neu gestaltete Haltestelle Schloss im Bereich des neuen Bauareals.
Ein dritter Preis ging an das Team EMI Architekt*innen aus Zürich mit Lars Ruge Landschaftsarchitekten. Auch hier sind es drei Baukörper, die sich um die neue Ost-Westverbindung gruppieren. Bei dieser Arbeit wurde insbesondere die sehr hochwertige Durcharbeitung der Grundrisse gelobt. Überwiegend kritisch wurde aber ein zehngeschossiger Wohnturm direkt angrenzend an die viergeschossige Bebauung des Magniviertels angesehen.
Auch ein vierter Preis wurde vergeben: an das Team KSP ENGEL GmbH aus Frankfurt und Braunschweig in Zusammenarbeit mit nsp landschaftsarchitekten aus Hannover. Dieses Team schlägt ebenfalls drei Baukörper vor, die sie ganz unterschiedlich ausbilden, in großem Maßstab urban Richtung Schloss und eher kleinteilig in Richtung Magniviertel.
Die weiteren beteiligten Teams Hadi Teherani Architects aus Hamburg mit RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekt:innen und AS+P Albert Speer und Partner aus Frankfurt mit eigener Landschaftsarchitekturabteilung erhielten in dieser Reihenfolge Anerkennungen.
Neben den hochbaulichen Entwürfen für das Galeria-Horten-Areal haben die Teams zahlreiche Ideen für das erweiterte städtebauliche Umfeld präsentiert. So gibt es z. B. Vorschläge einer Verlagerung der Straßenbahn-Haltestelle Schloss, um eine direktere Ost-West Verbindung Damm-Langedammstraße zu ermöglichen. Auch für den Bohlweg und für den Schlossplatz wurden Ideen zur Aufwertung insbesondere mit dem Ziel einer intensiveren Begrünung, zu Schwammstadtelementen sowie zum Hitze- und Starkregenschutz aufgezeigt.
Nicht zuletzt haben die Teams Alternativen für verkehrliche Erschließungen entwickelt. Hier waren gemäß der Auslobung verschiedene zeitliche Phasen der Entwicklung zu berücksichtigen. Für eine erste Phase, die jeweils eine Richtungsfahrspur am Bohlweg vorsieht, wurden unterschiedliche Lösungen aufgezeigt; z. B. eine Bündelung der Fahrspuren auf der Seite des Schlosses, aber auch eine Reduzierung auf eine Fahrspur in der heutigen Lage. Insbesondere die gute Erreichbarkeit der bestehenden zentralen Parkhäuser war hier ein wichtiges Beurteilungskriterium. Es wurden aber auch Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt, in der, nach entsprechenden Veränderungen der verkehrlichen Rahmenbedingungen, auch ein autofreier Bohlweg im Bereich des Schlossplatzes möglich erscheint.
Diese zahlreichen Ideen flossen in die abschließende Bewertung mit ein. Sie werden im Zuge der weiteren Entwicklung von der Verwaltung auf Umsetzbarkeit geprüft. Sollten sich aus diesen Ideen Planungsaufträge oder konkrete Umsetzungen ergeben, werden wie üblich die Ratsgremien gesondert mit Beschlussvorlagen eingebunden.
Die Jury
Der neunköpfigen Jury gehörten als stimmberechtigte Mitglieder an: Christa Reicher, Stadtplanerin und Professorin an der RWTH Aachen, als Vorsitzende; Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum; Carsten Ueberschär, Mitglied im Vorstand der Volksbank BRAWO; Prof. Benedikt Schulz, Architekt Leipzig; Martin Diekmann, Landschaftsarchitekt Hannover; Gerold Leppa, Stadtbaurat und Wirtschaftsdezernent; Klaus Hornung, Referatsleiter Stadtbild und Denkmalpflege; Ivan Binder, Geschäftsführung BRAWO RE Development Braunschweig GmbH; Jörg Jungesblut, Geschäftsführung BRAWO RE Projekt Holding BS GmbH. Beratende Jurymitglieder waren Ratsmitglied Antoinette von Gronefeld und das Bürgermitglied im Ausschuss für Planung und Hochbau, Amir Touhidi.
Das Wettbewerbsverfahren
Der Wettbewerb BOMA+ wurde in einem kooperativen Verfahren durchgeführt. Dies bedeutet, dass die Architektenteams nicht wie sonst üblich ihre Arbeiten anonym verfasst und abgegeben haben, sondern dass es im gesamten Verfahren einen offenen, wiederkehrenden fachlichen Dialog zwischen den Ausloberinnen (Stadt Braunschweig und Volksbank BRAWO) und den einzelnen Teams gegeben hat. Die Teams konnten dieser Linie folgend auch im Rahmen der Jurysitzung ihre Arbeiten selbst vorstellen. Das offene kooperative Verfahren umfasste zwei Arbeitsworkshops, an denen die Teams hier in Braunschweig gearbeitet und ein direktes Feedback der Jurymitglieder erhalten haben. Dieses besondere Wettbewerbsverfahren zu BOMA+ wurde im Vorfeld mit der Architektenkammer Niedersachsen abgestimmt und entsprach so den Richtlinien der RPW (Richtlinie für Planungswettbewerbe).
Die Öffentlichkeit wurde bislang mit zwei Infoveranstaltungen beteiligt: im September 2025 vor dem Start und während des Verfahrens im Februar 2026, als die ersten Ergebnisse der Phase Städtebau präsentiert wurden.
Alle Arbeiten werden ab sofort bis einschließlich Freitag 19. Juni 2026 im Erdgeschoss des Hochhauses BC III im BRAWO-Park am Hauptbahnhof (Willy-Brandt-Platz 13) ausgestellt. Die Arbeiten sind dort während der Öffnungszeiten des Verwaltungsgebäudes der Stadt von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr zu besichtigen.


