Geschäftsmodell und Geschäftsstrategie neu denken
Geschäftsmodell und Geschäftsstrategie neu denken
- Herausfordernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen in einem schwierigen Marktumfeld
- Kernbankgeschäft mit soliden Ergebnissen
- Hohe Belastungen aus Bewertungseffekten in den bankfernen Geschäftsfeldern
- Ausgeglichener Jahresabschluss durch die Stützungsmaßnahmen der Sicherungseinrichtung des BVR
- Überarbeitung des bisherigen Geschäftsmodells
- Restrukturierungsmaßnahmen in den Geschäftsfeldern Real Estate, Corporate Investments und Green Energy notwendig
- Künftiger Fokus: „Mehr Bank. Mehr Region. Weniger Komplexität"
Herausfordernde wirtschaftliche Rahmenbedingungen in einem schwierigen Marktumfeld
Seit 2022 haben sich die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen deutlich verändert. Der Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022, der Gaza-Krieg ab 2023, der Regierungswechsel in Deutschland sowie der Machtwechsel in den USA im Jahr 2024 haben die bereits bestehenden strukturellen Veränderungen negativ beeinflusst. Im Zeitraum 2020 bis 2025 haben sich insbesondere Energiepreise, Baukosten und Zinsen merklich verändert. In der Folge sind die Insolvenzzahlen gestiegen. Diese Entwicklungen haben zu einer erkennbaren Investitionszurückhaltung geführt und die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen belastet.
Davon ist auch das Geschäftsgebiet der Volksbank BRAWO betroffen, in der Großunternehmen mit erheblichen Herausforderungen kämpfen, und der regionale Mittelstand weiterhin von einer zurückhaltenden beziehungsweise pessimistischen Geschäftsentwicklung geprägt ist.
Kernbankgeschäft mit soliden Ergebnissen
Das klassische Bankgeschäft lieferte auch im Geschäftsjahr 2025 solide Ergebnisse. Das Geschäftsvolumen stieg im Berichtsjahr um 4,5 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro. Das betreute Kundenanlagevolumen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Das betreute Kundenkreditvolumen stieg verhalten – von 5,4 Milliarden Euro auf 5,5 Milliarden Euro (plus 0,7 Prozent gegenüber Vorjahr). Die Bilanzsumme insgesamt zeigte ein Plus von knapp 50 Mio. Euro oder etwa 0,8 Prozent auf 6,47 Milliarden Euro.
Die Ertragsseite war von Sonder- und Einmaleffekten beeinflusst. Der Zinsüberschuss fiel signifikant von 120,7 Mio. Euro um 21,5 Prozent auf 94,7 Mio. Euro in 2025. Fehlende Erträge aus dem Beteiligungsgeschäft und anderen Anlagen mit einem Rückgang auf 16,3 Mio. Euro (Vorjahr 45,2 Mio. Euro) waren dafür maßgeblich. Die Zinserträge aus dem klassischen Bankgeschäft konnten gegenüber dem Vorjahr nochmals auf 144,1 Mio. EUR gesteigert werden. Der Zinsaufwand stieg gleichfalls leicht von 63,1 Mio. Euro in 2024 auf 65,7 Mio. Euro im Berichtsjahr. Der Provisionsüberschuss konnte dank eines überdurchschnittlichen Wertpapiergeschäftes ausgebaut werden und stieg um knapp 8 Prozent erstmals über die Schwelle von 40 Mio. EUR auf 40,2 Mio. EUR in 2025.
„Die Ertragsseite aus dem klassischen Bankgeschäft wird negativ durch Effekte des bisherigen Geschäftsmodells beeinflusst“, sagte Lars Berkefeld, Interims-Vorstandssprecher der Volksbank BRAWO, anlässlich der Vorlage des Jahresabschlusses 2025.
Auch der Aufwand ist stark von der enormen Komplexität der weiteren Geschäftsfelder der Bank geprägt. Prüfungskosten, IT-Investitionen und die in den letzten Jahren steigenden Marketing- und Sponsoringaktivitäten führen zu einem erheblichen Mehraufwand. Die anderen Verwaltungsaufwendungen stiegen in Folge von 56,5 Mio. Euro um 10,6 Prozent auf 62,4 Mio. Euro. Zudem seien die Personalkosten zuletzt nochmals gestiegen. Der Personalaufwand stieg von 54,6 Mio. Euro auf 56,9 Mio. Euro um knapp 4,2 Prozent. Wesentlicher Kostentreiber waren in 2025 allerdings die Abschreibungen auf Immobilien und Sachanlagen. Neben den planmäßigen Abschreibungen auf das Immobilienportfolio kamen in 2025 bedingt durch Neubewertungen zusätzliche außerplanmäßige Abschreibungen hinzu.
"Vor dem Hintergrund der angespannten Ertragslage besteht ein erheblicher Handlungsbedarf, die Kostenbasis nachhaltig zu reduzieren und die Strukturen stärker auf die Ertragskraft des Kerngeschäfts auszurichten“, so Berkefeld.
Positiv dagegen ist der Zuwachs bei Kunden und Mitgliedern. Im vergangenen Jahr stieg die Kundenzahl mit mehr als 7.200 Neukunden auf knapp 166.500. Die Mitgliederzahl legte leicht auf knapp 55.000 zu. Diese Entwicklung zeigt, dass bei Kundinnen und Kunden ein hohes Maß an Vertrauen in die Volksbank BRAWO besteht.
Hohe Belastung durch Bewertungseffekte in den bankfernen Geschäftsfeldern
Das Jahresergebnis 2025 wurde insbesondere durch hohe negative Bewertungseffekte bei Krediten, Wertpapieren, Beteiligungen und Immobilien belastet, die im Zusammenhang mit dem bisherigen Geschäftsmodell der Volksbank BRAWO stehen. In diesem Zusammenhang ergaben sich, auch bedingt durch veränderte Marktbedingungen und Bewertungsparameter, teilweise deutlich niedrigere Wertansätze. In der Folge entstand eine außergewöhnlich hohe Ergebnisbelastung. Das vorläufige Ergebnis nach diesen Abwertungen würde bei minus 608,1 Mio. Euro liegen. Zur Kompensation dieses Ergebnisses wurde im ersten Schritt der Fonds für allgemeine Bankrisiken (§ 340g-Reserven) in Höhe von 136 Mio. Euro teilweise aufgelöst.
Ausgeglichener Jahresabschluss durch Stützungsmaßnahmen der Sicherungseinrichtung des BVR
„Die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hat unserer Volksbank BRAWO Deckungsmaßnahmen in Form von Garantien gewährt. Durch die Garantien werden bestehende Risiken abgeschirmt mit der Folge, dass ein ausgeglichenes Jahresergebnis ausgewiesen werden kann“, so Berkefeld
Daneben stärkt die Sicherungseinrichtung des BVR durch Zeichnung von Geschäftsguthaben das Eigenkapital der Volksbank BRAWO, damit die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen während des anstehenden Restrukturierungsprozesses eingehalten werden können.
Berkefeld betonte, dass in der Volksbank BRAWO alle Einlagen sowie die Geschäftsguthaben absolut sicher seien. Zudem bleibt die Volksbank BRAWO dank der Stützungsmaßnahmen vollständig operativ handlungsfähig.
Überarbeitung des bisherigen Geschäftsmodells
„Das bisherige Geschäftsmodell und die Geschäftsstrategie müssen auf Basis des enormen Wertberechtigungsbedarfs grundsätzlich überarbeitet werden. 96 Prozent der Wertberichtigungen entfallen auf die bankfernen Geschäftsfelder“, so Lars Berkefeld. Rund vier Fünftel des Wertberichtigungsbedarfs entfallen allein auf das Geschäftsfeld Real Estate.“. Im Geschäftsfeld Corporate Investments, in dem eine Vielzahl von vorwiegend Minderheitsbeteiligungen in KMUs gebündelt sind, habe die Wirtschaftskrise, die nach wie vor herrschende Konsumzurückhaltung und die wachsenden Zukunftssorgen der Menschen in Deutschland nicht die erwarteten Erträge geliefert.
„Anstatt positive Erträge zu liefern, wurden viele Beteiligungen mit neuen Kreditlinien gestützt“. Zudem habe der Wechsel in der Energiepolitik das Geschäftsfeld Green Energy erheblich belastet. „In Summe müssen wir konstatieren, dass angesichts der Rahmenbedingungen, aber auch der durch die Diversifikation aufgebauten erheblichen Komplexität in vielen Branchen und Märkten, unser Geschäftsmodell und die Geschäftsstrategie überdacht werden müssen“, so Berkefeld.
Restrukturierungsmaßnahmen in den Geschäftsfeldern Real Estate, Corporate Investments und Green Energy sind notwendig
Durch die mit der SE getroffenen vertraglichen Vereinbarungen. hat die Volksbank BRAWO eine stabile Basis, um in aller gegebener Ruhe, aber auch mit aller Entschlossenheit die notwendigen Maßnahmen zur Restrukturierung vorzunehmen. „Dabei geht es nicht um einen Ausverkauf um jeden Preis“, so Berkefeld, „Wir werden die identifizierten Assets Schritt für Schritt auf den entsprechenden Märkten anbieten und dafür die Erfahrung und das Knowhow von Intermediären nutzen“.
Künftiger Fokus „Mehr Bank. Mehr Region. Weniger Komplexität“
In Zusammenarbeit mit einer namhaften Unternehmensberatung wird derzeit intensiv an einer neuen Geschäftsstrategie und dem entsprechenden Zielbild für die künftige Neuaufstellung der Volksbank BRAWO gearbeitet. „Nach einer umfassenden Analyse des Ist-Zustandes befinden wir uns zwischenzeitlich in der Konzeptionsphase“, so Berkefeld.
Dabei sei die generelle Neu-Positionierung gesetzt: „Mehr Bank. Mehr Region. Weniger Komplexität. Wir wollen die kommenden Jahre nutzen, um die Volksbank BRAWO wieder zu einer klassischen Volksbank in unserer Heimatregion zu machen. Wir haben in den vergangenen Wochen sehr viel Zuspruch und Unterstützung für den nun eingeschlagenen Weg von unseren Privatkunden, Firmenkunden aber auch aus der Kommunalpolitik sowie unseren Partnern in der Region erhalten“, erläuterte Berkefeld. „Das macht uns Mut, nun entschlossen den Neuanfang zu wagen“.
Die Volksbank BRAWO bündelt bisher ihre Marketing-, Sponsoring und Spendenaktivitäten im Geschäftsfeld Corporate Social Responsibility (CSR) und überprüft ihren Umfang. „Überregionale Sponsoringmaßnahmen und Auftritte sehen wir nicht mehr als zielführend für die künftig regionale Marke Volksbank BRAWO an“, so der Vorstandssprecher. Laufende Sponsoring-Verträge würden selbstverständlich erfüllt. Über die Zeit danach werde man sich zu gegebener Zeit im Rahmen eines gesamthaften regionalen Sponsoring-Konzeptes Gedanken machen. „Damit stehen wir auch künftig zu unserer Verantwortung zur Unterstützung und Förderung sozialer, kultureller und gemeinnütziger Initiativen für unsere Region und die Menschen vor Ort“, betont Berkefeld.
Ausblick 2026
„Die Volksbank BRAWO befindet sich in einer schwierigen Situation. Nach wie vor fordert uns die Restrukturierung und der Abbau des Beteiligungs- und Immobilienportfolios. Diese Aufgaben werden uns in 2026 und darüber hinaus beschäftigen“, erläutert Berkefeld.
Das Bankgeschäft in den ersten sechs Monaten verlief verhalten. Die Geschäftsentwicklung war durch eine rückläufige Kreditnachfrage (-1,45 Prozent) sowie eine rückläufige Geldanlage (-1,04 Prozent) geprägt.
Der Zinsanstieg der letzten Monate führt sowohl zu einem Anstieg der Zinserträge als auch des Zinsaufwandes gegenüber dem Jahresende 2025. Die Erträge aus eigenen Wertpapieren und Beteiligungen liegen über dem Vorjahr. Die Entwicklung des Provisionsüberschusses ist positiv, sodass das Ergebnis aus Zins- und Provisionsüberschuss zum 30.06.2026 über dem Ergebnis Ende 2025 liegt.
Die Verwaltungsaufwendungen steigen gleichfalls an, in der Summe ergibt sich aber eine leichte Verbesserung beim Teilbetriebsergebnis.
Das Betriebsergebnis vor Bewertung zeigt ein leicht positives Ergebnis.
Zu dem Betriebsergebnis nach Bewertung und folglich dem Jahresüberschuss können noch keine Angaben gemacht werden. Die Einflüsse aus der Umsetzung erster bereits initiierter Restrukturierungen in den Geschäftsfeldern Real Estate, Corporate Investments und Green Energy bleiben abzuwarten.
„Seit Juni ist eine Stabilisierung zu erkennen und auch die Neukundenzahlen zeigen erste positive Signale. Es wird aber zweifelsfrei ein herausforderndes Geschäftsjahr“, so Berkefeld.

